Geschichte Katars

Für die meisten Menschen war Katar ein weißer Fleck auf der Landkarte, bevor es mit der Bewerbung für die FIFA Weltmeisterschaft 2022 auf sich aufmerksam machte. Dabei blickt die Region des heutigen Emirates Katar auf eine lange Historie zurück.

Antike

Archäologische Funde lassen darauf schließen, dass die Halbinsel schon vor mehr als 50.000 Jahren besiedelt war. Das lebensfeindliche Klima des Landesinneren führte dazu, dass die Bewohner sich überwiegend an den Küsten niederließen. Dort bauten sie den dort vorkommenden Feuerstein ab und sicherten ihr Überleben durch Fischfang.

Frühen Handel und kulturellen Austausch zwischen den hier Ansässigen und Mesopotamien und Indien belegen Funde von Tonwaren, die aus dem fünften Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung stammen. Von Beginn an prägten diese Region die mit ihren Kamelen umherziehenden Beduinenstämme, die sich selbst – in Abgrenzung zu den Sesshaften – als Arab bezeichnen.

Islamisierung

Nach ihrer Konvertierung zum Islam im Jahr 628 stand Katar zunächst unter Herrschaft der Umayyaden (661-750), danach unter der der Abbasiden (750-1253) und wurde sodann für Jahrhunderte zu einem Teil des osmanischen Reichs.

In der Neuzeit gewann die Halbinsel von Katar zunehmend an Bedeutung und profitierte von ihrer attraktiven geographischen Lage zwischen den bedeutenden Warenumschlagsplätzen Hormuz (heute Iran) und Basra (heute Irak). Es entwickelte sich zunehmend zu einem Anlaufpunkt für Perlen, Stoffe und Purpur. Wegen seiner geostrategischen aber auch wirtschaftlichen Bedeutung geriet die Küste zusehends ins Blickfeld der damaligen europäischen Weltmächte. Von 1521 bis 1670 wurde das Land abwechselnd von Portugal, den Niederlanden, England und dann wieder vom osmanischen Reich kontrolliert.

Beginn der Moderne

Mit der Niederlassung des Stammes Al-Khalifa begann um 1670 die moderne Geschichte des Landes. Dieser migrierte, aus der nordwestlichen gelegenen al-Hasa Region kommend, auf die Halbinsel und vertrieb die bisherigen Machthaber.

In Folge der persischen Eroberung Basras 1777 flohen viele Kaufleute nach Az-Zubara im Norden Katars, wodurch die Stadt zu einem florierenden Handelszentrum gedieh. Der prosperierende Perlenmarkt lockte viele Beduinenstämme an die Golfküste. Ihre nomadische Lebensweise aufgebend, wurden sie sesshaft. So ließ sich auch der Stamm der heutigen Herrscherfamilie Al-Thani Mitte des 18. Jahrhunderts zunächst bei Az-Zubara nieder. Wenig später gründete Scheich Muḥammad bin-Thani seine Hauptstadt Al-Bida an der Ostküste. Sie legte den Grundstein der heutigen Hauptstadt Doha.

Die Al-Thani

Anhaltende Machtkämpfe und Streitigkeiten zwischen den Al-Khalifa und den Al-Thani kumulierten 1867 in einem bewaffneten Konflikt, der durch eine britische Intervention beendet wurde. Am 18. Dezember 1868 entschloss sich Muhammad bin-Thani zu einem Pakt mit den Briten. Die Ath-Thani sicherten sich dadurch einen entscheidenden strategischen Vorteil: Der Thani-Stamm wurde so zur stärksten lokalen Macht des Landes. Jener Tag markiert seither den Nationalfeiertag Katars.

 

Vier Jahre später wurde die Region abermals durch osmanische Truppen besetzt, die jedoch im Laufe des ersten Weltkrieges endgültig besiegt wurden und damit auch Ihre Macht in Katar verloren. Nahezu zeitgleich zum Sykes-Picot-Abkommen schlossen die Briten mit dem dritten Scheich Abdullah bin-Jasim Al-Thani 1916 einen weiteren Vertrag ab, der Katar zum britischen Protektorat formte: Katar gab dadurch de facto seine Eigenständigkeit auf, erhielt jedoch im Gegenzug militärischen Schutz. Dieses Abkommen bestand bis 1971, als Katar schließlich seine Unabhängigkeit deklarierte.

Trotz reicher Perlenvorkommen vor der Golfküste besserten sich die rauen Lebensumstände vieler Einheimischer nicht: Viele Familien verschuldeten sich immens bei ausländischen Händlern und nur wenige verdienten am Geschäft mit der international begehrten Schmuckware. Die Entdeckung der Zuchtperle in Japan während der 1930er-Jahre ruinierte auch diese Einnahmequelle, so dass ganze Bevölkerungsteile in den Ruin getrieben wurden.

Das  moderne Wirtschaftswunder

Nach der Entdeckung von Öl und der Gründung der Petroleum Development Qatar im Jahre 1935, dem Vorgänger der heute staatlich kontrollierten Qatar General Petroleum Corporation (QGPC), wurde ein neues Zeitalter eingeläutet. Vier Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges begann 1949 die Ölförderung. Die Lebensumstände der Menschen verbesserten sich sprunghaft. Die erste Schule öffnete 1952 ihre Tore und 1959 folgte das erste moderne Krankenhaus. Unter Federführung Khalifa bin-Hamads, dem Neffen des Scheichs, durchlebte Katar in den folgenden 15 Jahren eine infrastrukturelle Revolution, mit der er das Fundament des heutigen Staates goss.

Ende der 60er Jahre gab Großbritannien bekannt, dass es seine militärische Präsenz am Golf aufgeben werde. Am 3. September 1971 proklamierte Katar seine Unabhängigkeit. Nur sechs Monate später, am 22. Februar 1972, enthob Khalifa seinen Onkel Scheich Abdullah in einer Palastrevolution seiner Ämter und regierte das Land bis in das Jahr 1995.

Sein Sohn Hamad, der Vater des heutigen Emirs, ergriff im Jahr 1995 die Macht. Er änderte wiederum den Kurs seines Vaters: Er öffnete das Land und modernisierte es nach westlichen Vorstellungen. Das Land setze auf die Verflüssigung seiner großen Gasvorkommen und macht es damit exportfähig. Katar ist heute der größte Exporteur von Flüssiggas (LNG). Katar weist heute eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt auf.

Bereits im ersten Jahr seiner Regentschaft gründete der Emir Al-Jazeera (Deutsch: die Halbinsel), der seitdem weltweit als renommierter arabischer Nachrichtensender gilt. Al-Jazeera wirkte und wirkt seitdem weit über die Grenzen Katars hinaus und hat wesentlich zur Belebung der politischen Debatten und Entwicklung im gesamten arabischsprachigen Raum beigetragen.  

1999 führte Katar als erster Staat der Region das aktive wie passive Wahlrecht für Frauen ein. Mit der Vision 2030 wurde ein sehr ehrgeiziges nationales Entwicklungsprogramm gestartet, das darauf zielt, eine auf Bildung und Wissen basierende moderne arabische Gesellschaft zu gründen. Unter den Kataris gibt es so gut wie keinen Analphabetismus, das Emirat hält mehrere Universitäten vor. In der Version eines modernen sollen internationale Begegnungen und der globale Sport sollen eine herausragende Rolle spielen. Katar ist seit vielen Jahren Austragungsort vieler bedeutender Sportereignisse. Im Jahre 2010 bewarb sich Katar erfolgreich um die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2022. Es werden die ersten Fußballweltmeisterschaften sein, die in einem arabischen und muslimisch geprägten Land und dazu in einer Wüstenregion stattfinden. In seiner Bewerbung hatte Katar unter anderem damit überzeigen können, dass es versprach, die Spiele nach den Prinzipien der ökologischen Nachhaltigkeit auszurichten. Es wollte so den Beweis antreten, dass sich ökologische Prinzipien auch in einem Wüstenstaat anwenden lassen. Im Juni 2013 trat der Emir Hamad zurück und übergab die Macht im Land an seinen Sohn Tamim.