Religionen Katars

Staatsreligion in Katar ist der Islam. Katar ist tief eingebunden in die muslimische Kultur, die am arabischen Golf stark auf beduinischen Traditionen fußt. Ende des 19. Jahrhunderts, weit vor der Staatsgründung Katars, folgten seine Bewohner einer Auslegung des Islam, wie sie der Prediger, Religionstheoretiker und Missionar Muhammad Ibn Abdel Wahab damals im arabischen Raum vertrat. Am erfolg- und folgenreichsten warb Al-Wahhab freilich bei der Familie Al-Saud für seine Auslegung der Religion. Die Al-Saud wurden später Staatsgründer des heutigen Saudi-Arabien und adaptierten den Wahhabismus als Staatsreligion.

 

 

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Die im benachbarten Bahrain regierende Al-Khalifa Familie dagegen lehnte diese religiöse Ausrichtung des Islam ab. Als die Al-Khalifas 1867 versuchten, die katarische Halbinsel militärisch zu erobern, verteidigten sich die Bewohner des heutigen Katar unter Führung der Al-Thani -Familie mit Unterstützung der Briten erfolgreich. Die Al-Thani sind seitdem der Stamm, der die Herrscher von Katar stellt. Deshalb auch ist Katar bis heute das einzige Land neben Saudi-Arabien, das den so genannten hanbalitischen Wahhabismus als offizielle Staatsreligion hat.

Die Mehrheit der katarischen Bürger folgt dieser puristisch-traditionellem Rechtsschule des sunnitischen Islam. Nur ungefähr 5% der Bevölkerung sind Schiiten[1]. Der religiöse Alltag orientiert sich an den fünf Säulen des Islam: Am Bekenntnis zu nur einem Gott und seinem Gesandtem, dem Propheten Mohammed, dem fünfmaligen Gebet am Tag, dem Entrichten der Almosensteuer, dem einmonatigen Fasten (Ramadan) sowie der Pilgerfahrt nach Mekka und Medina.

Gleichwohl unterscheidet sich die Ausübung der Region und vor allem die praktische Lebensführung der Kataris erheblich von der im benachbarten Saudi-Arabien. Katar ist weit liberaler. Besonders nach dem Machantritt von Sheikh Hamad bin Khalifa Al-Thani als Emir im Jahre 1995 zeigt sich die führende Familie von Katar klar bemüht, das Zusammenleben der Menschen in Katar den Regeln der Moderne in einer globalisierten Welt anzupassen.

Zwar weist Artikel 1 der Verfassung von Katar aus dem Jahr 2004 das islamische Recht – also die Sharia – als „Hauptquelle des Rechts“ aus. Das ist so zu verstehen, dass die vom Islam geprägte zivilisatorische Kultur das Grundverständnis des Zusammenlebens zwischen den Menschen definiert.  Anwendung findet die Sharia wohl am Sichtbarsten im Bereich der Personenstandsrechte. In der wirtschaftsrechtlichen Praxis wirkt sich die Sharia aber kaum aus, denn alle wichtigen Rechtsgebiete sind mittlerweile positiv-rechtlich normiert. Im Gegensatz zu Saudi-Arabien verfügt Katar auch über ein Zivilgesetzbuch. Die Frage nach der Sharia stellt sich nur, soweit der Gesetzgeber etwas nicht ausdrücklich geregelt hat bzw. Lücken oder Interpretationsschwierigkeiten bestehen. Ein klassisches Beispiel ist das Erb- und Familienrecht, das im Gleichklang mit vielen anderen islamischen Staaten auch in Katar (noch) nicht kodifiziert wurde.

 

Im Alltag haben die Frauen weit mehr Rechte, sie sind in vielem den Männern faktisch gleichgestellt und nehmen – in Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft herausragende Funktionen wahr. Einige der bedeutendsten Unternehmerinnen sind Frauen. Katar hat u.a. auch Frauen-Fußballteams. In Katar ist zum Beispiel auch, anders als in Saudi-Arabien, Nicht-Muslimen das Trinken von Alkohol erlaubt.

Gleichwohl darf man – bei aller Modernität, die Katar ausstrahlt – nicht vergessen, dass die Fundamente der katarischen Gesellschaft die Religion und das muslimische kodifizierte Verständnis von Familie sind. Auch denken und empfinden die Bewohner von Katar natürlich nicht einheitlich. Wie bei uns sind auch katarische Großeltern und Eltern nicht immer einverstanden mit dem aufgeklärten Lebensstil der jungen Generation. Auch hält sich ein traditionelles Religionsverständnis in vielen Familie ungebrochen. So zeigt sich auch der derzeitig regierende Emir Tamim traditioneller als etwa sein Vater.

Nicht-islamische Religionen

Im Katar lebten Ende 2017 etwa 2,7 Millionen Menschen, doch nur etwa 300 000 haben die katarische Staatsbürgerschaft. Die Bevölkerungsmehrheit von Katar wird Expatriates genannt. Die meisten der ausländischen Bewohner kommen aus Südasien, Südostasien und aus arabischen Ländern des Nahen Ostens. Ein kleiner Teil aus Europa und Nordamerika. Die christlichen Gemeinschaften veröffentlichten Zahlen ihrer Mitglieder: Römisch-Katholische 200.000, Anglikanische 20.000, Ägyptisch-Koptische 3.000. Die Zahl der Hindus in Katar wird auf 450.000 Anhänger, Buddhisten auf 100.000 Anhänger geschätzt. Damit muss Katar mit dem nicht ganz einfachen Umstand leben, dass in Katar weit mehr Nicht-Muslime als Einheimische leben.

Religiöse Gruppen, die als solche anerkannt werden möchten, müssen sich beim Auswärtigen Amt von Katar registrieren lassen. Offiziell anerkannt sind so die Katholische, Anglikanische, Griechisch-orthodoxe, Syrisch-orthodoxe, Koptische und indisch-christliche Kirche. Um anerkannt zu werden, muss die Mitgliederzahl der Religionsgemeinschaft mindestens 1.500 Mitglieder im Land betragen. Den anerkannten sechs Kirchen hat die Regierung den sog. „Religiöse Komplex“ am südlichen Rand von Doha (Ortsteil Mesaymir) zur Verfügung gestellt. Die Kirchengebäude dürfen äußerlich allerdings keine christlichen Zeichen zeigen, wie etwa Kreuze.

 

 

Religiöse Gemeinschaften wie evangelikale Christen, die die vorgegebene Anzahl nicht erreichen, werden vom katarischen Innenministerium gleichwohl geduldet und etwa mit Sicherheitspersonal versorgt. Weitere Gruppierungen wie die Religionsgemeinschaft der Hindus, Buddhisten und der Bahai, werden zwar nicht gesetzlich anerkannt, Anhängern ist es jedoch gestattet privat und auch gemeinsam mit anderen ihre Religion auszuüben. Missionieren ist in Katar generell untersagt.

Um den interreligiösen Dialog zu fördern wurde das Doha International Centre for Interfaith Dialogue gegründet. Ibrahim Saleh al-Naimi der Direktor des DICID erklärt: „Die Scharia ist die Grundlage unseres Rechtssystems; aber in Anbetracht der massiven Einwanderung, die 90% der Bevölkerung ausmacht, organisiert unser Zentrum einen runden Tisch, um alle Repräsentanten der im Land anerkannten Religionen zusammen zu bringen.“


 

[1] Allgemein teilt sich der Islam in Sunniten und Schiiten. Diese Unterteilung geht zurück auf die Frage wer die Gesamtheit der Muslime nach dem Tod des Propheten Mohammeds leiten würde. Die Schiiten glauben, dass nur die leiblichen Nachfahren des Propheten Mohammed rechtmäßige Nachfolger und somit Religionsoberhäupter sind. Für die Sunniten reicht es aus wenn der Nachfolger aus dem Stamm des Propheten Mohammed (Stamm der Quraisch) abstammt.